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Andere Länder – andere Sitten

Mein Mann ist gerade in China. Meistens im Herbst, wenn die ersten Aufträge nach der Sommerpause eintrudeln, fliegt mein Mann nach China, um dort die Stofftiere abzunehmen, um Informationen auszutauschen und um an den Mustern der laufenden Aufträge zu arbeiten.

Früher, als wir noch nicht so bewußt in unserem Tun waren, war diese Reise auch immer dazu da neue Lieferanten zu finden und deren Fabriken zu besichtigen, ob diese als Partner für uns auch in Frage kämen. Damals, als wir uns unserer Werte noch nicht so klar lebten und als wir noch dachten immer einen billigen Lieferanten zu benötigen, um unsere Kunden mit billigen Stofftieren versorgen zu können.

Mit solch einer neu zu überprüfenden Lieferantin also war es an der Zeit, eine Fabrik im Chinesischen Hinterland zu überprüfen. Mein Mann und ich waren mehrmals am Tag miteinander im Kontakt, da auch etwaig zu vergebende Aufträge zu besprechen waren und ich ein wenig darauf achten musste, dass die Produzenten meinen Mann nicht zu sehr auf Ihre Seite zogen – er war perfekt dafür geeignet liebevollste Designs und Maskottchen zu entwickeln und Produktionsprozesse zu optimieren. Für Preise und Verhandlungen mit unseren Produzenten war ich zuständig, da mein Mann dafür einfach ein zu weiches Herz hat und am liebsten alle Aufträge allen Produzenten gleichzeitig geben würde.

Eines Nachmittags erhalte ich einen Anruf meines Mannes, der mit den Worten: „setzt dich mal hin, ich muss dir was erzählen“ begann. Ich muss sagen meine Begeisterung für Gespräche, die mit diesen Worten beginnen, vor allem dann, wenn mein Mann auf der anderen Seite der Welt ist, hält sich in Grenzen. Aber so dramatisch sollte es dann Gott sei Dank nicht werden.

Ich saß gerade im Auto, als mein Mann nun zu erzählen begann.

Er hatte mit dieser neuen, potentiellen Produzentin in einem Hotel im tiefen China eingecheckt und er wollte sich am Abend vor dem Schlafengehen noch ein Bier gönnen.
Als er in die Minibar blickte, sah er, dass diese keine Getränke beinhaltete.

Also rief er bei der Rezeption an, um darum zu bitten, man möge ihm doch 2 Bier aufs Zimmer bringen. Da es sich ja um ein Hotel in einer nicht so sehr von westlichen Touristen frequentierten Region Chinas befand, schien es nicht sehr verwunderlich, dass die Dame an der Rezeption ihn nicht verstand.

Also rief er am Zimmer unserer Produzentin an, um Sie um Hilfe zu bitten.

Nach einiger Zeit erhielt er den Rückruf und unsere potentielle Partnerin meinte, dass Sie Ihm dem Wunsch mit Bier am Zimmer leider nicht erfüllen konnte, da es in diesem Hotel nicht möglich sei Alkohol aufs Zimmer zu bestellten. Dem Hotelpersonal sei dies sehr unangenehm und sie würden Ihm gerne als Wiedergutmachung 2 Damen zum Trost aufs Zimmer schicken. Ob Ihm denn damit geholfen sei?

In seiner ersten Entrüstung ob dieses unmoralischen Angebotes rief er mich an – süß eigentlich.

Er musste gestehen, dass er im ersten Moment schon beeindruckt von dem Angebot war, dass er in letzter Konsequenz dann doch lieber ein Bier in der Bar vorzog!

Ich musste richtig laut lachen und gab ihm den Tip bei der Rezeption zu sagen: „wenn die Damen 2 Bier mitbringen, dann können sie gerne kommen“ 😉

Hier sieht man es wieder: andere Länder andere Sitten!

Herzlichst
Silvia Lindner